Montag, 29. Mai 2006

Abonnement auf der Schattenseite

Es ist nicht mal eine Woche her, dass ich befürchtete im Sumpf der Gefühle zu versinken. Nicht, dass es jetzt vorüber wäre. Aber ich denke, die Situation hat sich geändert. Ich will nicht sagen, der Verstand hätte gesiegt. Das wäre zu einfach und auch nicht wahr. Glaube ich.

Vielleicht sollte ich einiges erklären, um wenigstens den Anschein zu erwecken, hier etwas sagen zu wollen. Naja, Tatsache ist, dass ich mal wieder nicht weiß, wo zu beginnen ist.
Es ist, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Mir einen Schlag verpaßt. Eine Klinge durch die Haut gezogen. Ein beinah unerträglicher Schmerz durchfuhr mich und der Nebel begann sich zu lichten. Ich kann zwar noch immer nichts sehen, irgendwie nur Umrisse, aber ich erkenne etwas. Ob es nun das ist, was ich erwartet habe zu erspähen, ist eine andere Frage. Denn es ist der natürliche Lauf der Dinge, dass auf eine "Lösung" stets neue Probleme folgen. Ein Abonnement auf der Schattenseite sozusagen.

Was ist denn nun passiert? Keine Ahnung ehrlich gesagt. Kann nur behaupten, dass ich einiges begriffen hätte und es noch nicht zu spät ist, die Schritte auf einen anderen Weg zu lenken. Zumindest für mich nicht.
Habe das Gefühl an einer Kette ziehen lassen, wollte schauen, wohin es der Wind wehen würde. Und dann sah ich den Regenbogen. Wunderschön in seiner Farbenpracht. So lockte und liebkoste er mich; wollte mich fortführen in eine Welt hinter dem Horizont.
Doch, als ich schon meine Schwingen ausgebreitet hatte, um über das Meer zu fliegen, das Salz in der Luft schon meine Haut streichelte und ich mich in die Arme des Windes flüchten wollte, spürte ich einen kräftigen Ruck. Ich blickte mich um, und was sah ich? ... Das Gefühl zerrte an seiner goldenen Kette, welche ich ihm umlegte, um es zu bändigen. Nun stand es dort unten und zog mit Leibeskräften, mich zurückzuhalten. Dann wurde es dunkel. Die Sonne verschwand hinter tiefhängenden Wolken, der Regenbogen verblaßte, der Wind ließ mich fallen und ich stürzte hinab. Mir wurde so kalt und ich fror fürchterlich.

Mit einem Mal blickte ich in Augen, die so unergründlich tief waren, wie das Meer unter mir. Zwei Hände streckten sich mir entgegen, mich aufzufangen. Hoffnungsvoll erwartete ich den Aufprall. - In ein Meer von Scherben und Splittern rauschte ich. Meine Haut zerfurcht von Schnitten und Rissen. Doch das spürte ich nicht. Ich sah nur diese wunderbar traurigen Augen und fühlte, dass ich es war. Ich hätte auffangen sollen, ich hätte an der schweren Kette ziehen sollen. Doch noch ist es nicht zu spät...

Ich bin erwacht aus einem Traum, der mich verfolgte und mich mitriß in einem Sturm verwirrter Gefühle. Ich bin wieder ich selbst und wenn es mir am Herzen liegt, Unheil abzuwenden, so muß ich mich nun auf den Weg machen. Über felsigen Grund, durch die Wüste, durch reißende Ströme, über dunkle Wälder hinweg. Dorthin, wo mich wunderschöne Augen erwarten, um ihnen endlich die Tränen zu trocknen.

Dorthin, wo mich andere Augen erwarten, um ihnen die blutigen Tränen zu bringen.

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Zuletzt aktualisiert: 2007/05/16 15:46